Schreib es mit einem Lächeln – Die „Emoji-Sprache“

Schreib es mit einem Lächeln – Die „Emoji-Sprache“

Über das Wachstum, die Möglichkeiten und den Bedarf an Übersetzern in Emoji

Emoji ist die am schnellsten wachsende Sprache der Welt. Sie ist eine universale Form der Kommunikation. Sie ist anderen Sprachen überlegen. Und dennoch gibt es weltweit bisher erst einen Übersetzer für sie.

Gemeint sind Emojis.

Von diesen vier Sätzen ist zugegebenermaßen nur der letzte wahr – die vorherigen sind Behauptungen, doch der rasante Aufstieg der Emojis in unserer Kommunikation ist beachtlich. Lassen Sie uns über jeden dieser provokativen Sätze einmal nachdenken.

Eigene Sprache oder nicht – das Vokabular wächst

Emojis sollen eine eigene Sprache sein? Niemals, meint Professor Jonathan Jones, „Emojination“ sei ein Schritt rückwärts in der Menschheitsgeschichte, sie sei eine statische Form der Kommunikation, beschränkt auf das Sichtbare. Es sei unmöglich, komplexe Zusammenhänge, Nuancen, aktive Vorgänge und den Bezug auf Zukünftiges und Vergangenes auszudrücken – all das, was eine Sprache ausmache. Jones vergleicht Emojis mit ägyptischen Hieroglyphen und zieht Parallelen zum Untergang der damaligen Hochkultur.

Definiert man Sprache jedoch über ein System von Zeichen, anhand dessen Sprachnutzer Gedanken und Gefühle austauschen, haben die Emojis eine Chance, als Sprache anerkannt zu werden. Über Sprach-, Kultur- und Altersgrenzen hinweg können wir dank Emojis schriftlich kommunizieren.

Professor Vyvyan Evans hat sein Forschungsleben den Emojis gewidmet und auch wenn er sich um das Wort „Sprache“ herumdrückt – er nennt Emojis einen Code – stellt er die sprachliche Funktion der Emojis in den Vordergrund. Man dürfe Emojis nicht mit Shakespeares Literatur vergleichen, sie seien nicht für lange, prosaische Texte zu verwenden; man müsse sie als Anreicherung verstehen für unsere zunehmend digitale, schriftliche Kommunikation. Sie dienten dem Ausdruck von Gefühlen und Nuancen, die wir in mündlichen Gesprächen mit Gestik, Körpersprache und Tonlage ausdrücken.

Auch Mark Davis sind die Emojis täglich Brot, er ist der Präsident und Mitbegründer von Unicode, einem Konsortium, das die Codes der Emojis schreibt. Er findet klare Worte: Emojis seien keine eigene Sprache, denn sie bestünden fast ausschließlich aus Substantiven. „Ich kann nicht sagen, dass etwas schwer oder leicht ist. Ich könnte eine Maus oder einen Elefanten benutzen, um dies zu vermitteln, aber das ist verwirrend.“

Kein Zweifel besteht jedoch an dem rasanten Wachstum des Emoji-Zeichenschatzes: Als der Japaner Shigetaka Kurita 1999 176 Zeichen entwickelte, um Nachrichten über das Wetter oder den Verkehr abzukürzen, ahnte er nicht, dass das Emojivokabular knapp 20 Jahre später beinah 3,000 umfassen würde.

Eine universale Form der Kommunikation?

Ein lächelndes Gesicht, ein Schuh, ein nach oben gestreckten Daumen sind offensichtliche Symbole – piktogrammatische Übersetzungen eines Vorgangs in der „echten“ Welt. Da kann man kaum etwas falsch verstehen, oder? Für Blogger Sasha Lobo lösen Emojis die Plansprache Esperanto ab. In ihnen stecke die Magie, „die niedrigschwelligste und zugleich präziseste emotionale Kommunikation, die heute verfügbar ist“, darzustellen. Auch Hilfsorganisationen und Gesundheitsbehörden wollen sich Emojis mehr und mehr zunutze machen – in diesem Sommer wird zum Beispiel der Moskito-Emoji eingeführt. Grund dafür: In Ländern, in denen durch Stechmücken übertragene Krankheiten wie Zika, Malaria und Dengue-Fieber grassieren, sollen Menschen über Sprachgrenzen hinweg in sozialen Medien schnell und effektiv über ein hohes Mückenaufkommen informiert werden.

Doch sind Emojis tatsächlich so unmissverständlich und universal?

Forscher der Universität Minnesota stellten in einer kulturübergreifenden Studie fest, dass nur 4,5 Prozent der Emojis von Anhängern unterschiedlicher Kulturen gleich interpretiert wurden. Dies liegt zum einen daran, dass die Emojis je nach Endgerät unterschiedlich aussehen und ein schräg lächelnder Smiley auch mal zur Fratze werden kann. Doch auch kulturelle Unterschiede führen zu Missverständnissen. In Bangladesch und Thailand ist der hochgestreckte Daumen beispielsweise eine obszöne Geste, vergleichbar zum Zeigen des Mittelfingers in unseren Kreisen, und in China bedeutet der lächelnde, winkende Smiley „Ich verachte dich und will nicht mit dir sprechen.“

Unicode setzt sich deshalb für Diversität in den Emoji-Codes ein. Jeder kann dem Konsortium einen wohlbegründeten Vorschlag für ein neues Zeichen einreichen, ein Komitee entscheidet dann, ob es umgesetzt wird. So erhielten zum Beispiel die Gesichtsemojis farbliche Nuancen, um unterschiedlichen Hautfarben zu imitieren.

Sprache der Empathie

„Emojis sind eine Sprache der Empathie“, mit ihr vermögen wir Mitgefühl und nuancierte Emotionen auszudrücken, wo andere Sprachen ihre Grenzen erleben – meint Blogger Lobo. Ob dies Emojis zu einer überlegenen Stellung erhebt, ist fragwürdig. Die Tatsache jedoch, dass ein Sprachcode unter Mitgestaltung vieler verschiedener Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen entsteht und genutzt wird, macht ihn zu etwas ganz Besonderem. So teilte Facebook im Juli 2017 mit, 5 Milliarden Emojis würden Tag für Tag auf der sozialen Plattform verschickt. EMOJI-HUT

Der weltweit einzige Emoji-Übersetzer

Bei so vielen Nutzern und potentiellen Missverständnissen – wie kommt es, dass Keith Broni der bisher einzige Emoji-Übersetzer unserer Zeit ist? Vor einem Jahr veröffentlichte Jurga Zilinskiene, CEO des britischen Übersetzungsbüro Today Translations, eine ungewöhnliche Stellenanzeige: Ihr Unternehmen plane, Emoji-Übersetzungsleistungen zu seinem Angebot hinzuzunehmen und suche den passenden Kandidaten. Die Nachfrage sei da, seitens Unternehmen, die Emojis im Marketing nutzen wollen, aber auch von Gerichten, die Textnachrichten mit Emojis als Beweismaterial einzusetzen planen. Mehr als 500 Kandidaten legten den Bewerbungstest ab – vielleicht wird es sie also demnächst öfter geben, die Spezies der Emoji-Übersetzer.

Verstehen Sie Emoji?

Nach so viel Theorie zu Emojis sind nun Sie dran. Um welches Werk handelt es sich in der folgenden Emoji-Erzählung?

Falls Sie Schwierigkeiten beim Entschlüsseln haben: Der Online-Sprachkursanbieter duolingo bietet sogar einen eigenen Sprachkurs in Emoji an, der von Emoji-Muttersprachlern entwickelt wurde!

Emoji-Bilderrätsel | Lennon.der | Emoji-Sprache

P.S.: Übrigens: Bei dem Sprachkurs handelte es sich um einen Aprilscherz – eine Emojipedia, in der Sie die Bedeutung aller Emojis nachgucken können, gibt es aber wirklich! Für die Auflösung des Rätsels einfach den folgenden Text markieren: Romeo und Julia“ – wer sagt denn, man könne Shakespeare nicht in Emoji übersetzen?

 

Foto: By TeroVesalainen [Public domain], via pixabay

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