Ist Musik eine Universalsprache?

Ist Musik eine Universalsprache?

Schon Darwin trieb es um

Die Musik ist eine der seltsamsten und gleichzeitig faszinierendsten Ausdrucksweisen des Menschen. Aus biologischer Sicht völlig sinnlos, vermag sie doch unsere Gefühle zu beeinflussen – und das über kultur- und musikalische Grenzen hinweg.

Mitte des 19. Jahrhunderts lieferte Charles Darwin einige schlüssige und bis heute anerkannte Erklärungen für die Existenz unserer eigenen, menschlichen Spezies als auch der weiteren Tier- und Pflanzenwelt. Mit einer anderen Frage tat er sich jedoch schwerer: Warum gibt es die Musik?

„Weder der Musikgenuss noch die Fähigkeit, Musik zu machen, sind Eigenschaften mit dem geringsten Nutzen für den Menschen“, schlussfolgerte der Begründer der Evolutionstheorie in seinem Werk „Die Abstammung des Menschen“ aus seinen Beobachtungen. Sein Erklärungsansatz, Menschen nützten Musik, gleich anderen Tieren, um einen Partner anzulocken, konnte weder ihn selbst noch seine Leser gänzlich überzeugen. Im Gegenteil, andere Forscher konnten zeigen, dass wir singen, Laute machen und Instrumente spielen, um uns und andere zu ermutigen, um zu trösten und zu beruhigen, um uns mit anderen zu verbinden oder einfach um der Freude willen. Und das seit Beginn der Menschheit und über Kulturgrenzen hinweg.

Sprache und Musik

Heute gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass die Musik als Vor- oder Nebenprodukt der Sprache entstanden sein dürfte. Gewisse Ähnlichkeiten sprechen dafür: Bei sprachlichen Äußerungen und in der Musik kombinieren wir Töne und Laute nach bestimmten Regeln und verarbeiten diese auch in der gleichen Hirnregion wie Sprache. Musik ist also ein Kommunikationssystem und doch werden Sie sich vermutlich kaum an eine Situation erinnern, in der Sie beim Ausspruch chinesischer oder arabischer Worte Gänsehaut verspürten. Musik vermag dies jedoch. Auch wenn wir nicht verstehen, was und in welcher Sprache gesungen wird – Musik haftet bisweilen etwas Magisches, Mysthisches an. Sie transportiert Emotionen und implizites Wissen weit über die gesprochene Sprache hinaus.

Verstehen wir Musik alle gleich?

Ist sie vielleicht sogar die einzige universelle Sprache dieser Welt? Dem Schriftsteller Berthold Auerbach zufolge Ja: “Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden.” Auch der amerikanische Lyriker Henry Wadsworth Longfellow schrieb im 19. Jahrhundert, Musik sei die gemeinsame Sprache der Menschheit.

Das Experiment einer Forschergruppe der Universität Harvard deutet darauf hin, dass etwas dran sein könnte an diesen Aussagen. Die Forscher erstellten vier Liedkategorien – Schlaf-, Tanz-, Heil- und Liebeslieder – und sammelten Lieder aus verschiedenen Kulturen zu jeder dieser Kategorien. Anschließend spielten sie Laien, also keinen professionellen Musikern, aus 60 verschiedenen Ländern jeweils kurze Liedsequenzen vor und ließen sie diese in die vier Kategorien einordnen. Die Ergebnisse der Studie sind erstaunlich: Lieder, die dem Einschlafen oder Heilen dienen oder zum Tanzen anregen, wurden mit überwältigender Mehrheit von den Probanden gleich zugeordnet.

Liebeslieder schwer zu deuten

Uneinigkeit herrschte nur unter den Liebesliedern. Der leitende Wissenschaftler der Studie, Samuel Mehr, meint, dies könne drauf zurückzuführen sein, dass Liebeslieder immer eine Geschichte erzählten, die unabhängig von Rhythmus, Melodien und Tonhöhen seien. Schlaflieder, zum Beispiel, haben weltweit meist einfache Melodien und der rhythmische, sich wiederholende Singsang ähnelt einer langsamen, schaukelnden Bewegung. Vergleichbare Muster konnten weder die Probanden intuitiv, noch die Forscher anhand ihrer Analysen in romantischen Musikstücken entdecken. Ein starkes Argument gegen Darwins Theorie, dass die Musik nur der Fortpflanzung diene.

Antworten zu den Fragen, warum es die Musik seither jeher gegeben hat und warum wir sie manchmal unmissverständlich verstehen und manchmal nicht haben wir (noch) nicht. Doch ist das so wichtig? Nein, meinte Leonard Bernstein, einer der bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts: „Wenn sie uns etwas sagt – nicht etwas erzählt oder ein Bild beschreibt, sondern ein Gefühl erweckt – wenn sie eine Veränderung in uns bewirkt, dann verstehen wir Musik.”

Foto: By bbolender [Public domain], via pixabay

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