Wachstumsmarkt Afrika

Wachstumsmarkt Afrika

Ein großer aber differenzierter Markt

Mit einem schnell wachsenden Mittelstand gewinnt der afrikanische Markt für eine Vielzahl von Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Für den erfolgreichen Markteintritt muss Wissen über die Zielkunden gesammelt, eine Beziehung zu lokalen Lieferanten und Vertrieblern aufgebaut sowie Produktinformationen und Werbung den Sprachgewohnheiten der Kunden angepasst werden – die Nachfrage nach Übersetzungen in afrikanische Sprachen steigt also.

Doch mit einer Gesamtbevölkerung von 1,21 Milliarden Menschen und seinen ca. 2.100 gesprochenen Sprachen und Dialekten stellt der afrikanische Markt Unternehmen und Investmentgesellschaften vor große Herausforderung.

Die Anforderungen an Übersetzungen ändern sich

In den vergangenen Jahrzehnten waren linguistische Dienstleistungen auf dem afrikanischen Kontinent hauptsächlich in diplomatischen, staatlichen, religiösen und humanitären Projekten gefragt. Einige kommerzielle Arbeiten wurden in den Sektoren Beratung, Bergbau, Finanzen und Technologie durchgeführt. Dabei dominierten die Übersetzungsanfragen in den Sprachen Englisch, Arabisch, Französisch, Portugiesisch, Swahili und Amharisch.

Die Übersetzung in Kontinentaleuropa wurde einst von den sogenannten „FIGS“ (Französisch, Italienisch, German (Deutsch) und Spanisch) dominiert; Japanisch, Chinesisch und Koreanisch waren lange die einzigen asiatischen Sprachen, in die Unternehmen ihre neuen Produkte übersetzten. Doch größere Sprachvielfalt wurde in Europa und Asien immer wichtiger und wird es nun auch aus politischen und ökonomischen Gründen in anderen Kontexten, schreibt Don DePalma von der Marktforschungsagentur Common Sense Advisory (CSA). 72,4 % aller Verbraucher sind eher bereit, ein Produkt zu kaufen, wenn sie Informationen darüber in ihrer Muttersprache erhalten, schlussfolgert die Agentur aus ihrer Studie.

Reicher und diverser Sprachraum innerhalb eines Landes

Denn auch wenn 24 der 56 afrikanischen Länder Englisch als eine oder sogar ihre einzige offizielle Sprache angeben, ist sie doch häufig nicht Alltagssprache der Mehrheit der Bürger. Nehmen wir zum Beispiel Südafrika: Englisch ist eine der 11 offiziellen Sprachen des Landes, aber nur 8,2 % seiner Einwohner haben gute oder muttersprachliche Englischkenntnisse. In Nigeria ist ausschließlich Englisch Verkehrssprache, unter den 186 Millionen Einwohnern werden jedoch geschätzte 500 Sprachen und Dialekte gesprochen.

Microsoft und viele andere Unternehmen erweitern deshalb zunehmend ihre Services für andere Sprachnutzer, zum Beispiel in Form von Software-Sprachpaketen in Kinyarwanda, einer in Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik gesprochenen Sprache, oder Igbo, einer nigerianischen Sprache im pannigerianischen Alphabet.

Neue Herausforderungen

Expandierende Unternehmen müssen sich entscheiden, in welche der vielen verfügbaren Sprachen sie übersetzen lassen wollen, welche Zielgruppen sie ansprechen möchten – und sich dabei auch mit strukturellen Herausforderungen beschäftigen:

  • Kaum professionelle Bunde oder Gesellschaften
    In Deutschland gibt es den BDÜ, den Bund Deutscher Übersetzer, der Übersetzer professionell unterstützt, indem er zum Beispiel Normen und Qualitätsstandards oder Aus- und Fortbildungsprogramme entwickelt, zertifiziert und mit Universitäten zusammenarbeitet. Auf dem ganzen afrikanischen Kontinent gibt es nur acht solcher Institutionen und auch die akademischen Ausbildungsmöglichkeiten sind begrenzt.
  • Sprachen ohne Schriftform
    Viele der afrikanischen Sprachen waren vor allem mündlich und wurden erst in letzter Zeit in geschriebene Form gebracht. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das, was in einer Sprache als richtig oder falsch angesehen wird. Verschiedene Schreibweisen, Satzstrukturen usw. sind üblich.
  • Keine Sprachkontrolle
    In Deutschland gab es mehrere Rechtschreibreformen, die Gesellschaft für deutsche Sprache begleitet den Wandel des Deutschen kritisch und spricht Empfehlungen für ihren Gebrauch aus. Im Duden lassen sich Sprachregelungen nachschlagen. Doch an wen oder was wendet sich ein Übersetzer, der in Wolof oder Mende übersetzt?
  • Veraltete Technologien
    Weltweit vollzieht sich im Übersetzungssektor eine starke Verlagerung in Richtung computer- und maschinengestützte Übersetzung. Spezielle Software, Terminologiedatenbanken und Glossare unterstützen Menschen in ihrer Übersetzungstätigkeit. In Sierra Leone übersetzten Studenten im vergangenen Jahr immer noch mit Stift und Papier und ausschließlich physischen Wörterbüchern, da die Ausstattung der Universität mangelhaft ist und eine unzuverlässige Stromversorgung die Arbeit an elektrischen Geräten erschwert.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Die Herausforderungen sind groß, doch der Trend in Richtung größerer Sprachvielfalt ist gesetzt. Es wird spannend sein, zu beobachten, was sich in den nächsten Jahren noch verändern wird und welche innovativen Lösungen sich entwickeln werden. Als gut vernetztes Übersetzungsbüro halten wir Sie auf dem Laufenden und stehen Ihnen bei der Marktexpansion zur Seite.

Photo by Benny Jackson on Unsplash

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