Welche neuen Wörter schaffen es in den Duden?

Kopfkino, futschikato, Willkommenskultur und verpeilen

Dies sind nur vier Beispiele der 5000 neuen Wörter, die im letzten Jahr Einzug in die 27. Ausgabe des Dudens fanden. Als Deutschsprecher sind Ihnen all diese Worte vermutlich ein Begriff – denn das Duden-Team wählt ausschließlich Wörter aus, die gesprächstauglich sind und in jüngster Vergangenheit häufig und in einer Vielzahl von Textsorten gebraucht wurden.

Wie schafft es ein neues Wort, gesprächs- und damit dudentauglich zu werden?

Wörter als Spiegel der Zeit

Sprachen sind lebendig und somit einem ständigen Wandel unterworfen. Wortneuschöpfungen entstehen häufig und in vielen sozialen Situationen: Kinder sind oft kreative Worterfinder, Medien- und Gesetzestexte sind Fundgruben neuer Ausdrücke und denken Sie erst an das Internet! Neue Begriffe müssen entstehen für Phänomene und Techniken, von deren Existenz wir vorgestern noch gar nicht wussten – Beispiele sind die Verben googlen, facebooken, twittern oder entfreunden.

Auch für Übersetzer gehört die Erfindung oder Zusammensetzung neuer Worte quasi zur Tätigkeitsbeschreibung, denn jede Sprache hat ihre ganz eigenen Begrifflichkeiten, für die es in einer anderen Sprache keine Entsprechung gibt. Verständlichkeit steht in unserer Branche natürlich an erster Stelle, deshalb sind translatorische Schöpfungen meist Komposita oder Kunstgriffe in einem literarischen Zusammenhang. Man denke zum Beispiel an die aus Astrid Lindgrens Kinderbuchübersetzungen stammenden Worte wie Lustifikation, Spunk oder Taka-Tuka-Land.

Vielleicht werden in Zukunft selbst Maschinen neue Wörter in unseren Wortschatz einbringen, denn Google, Facebook und andere Techunternehmen trainieren ihre künstliche Intelligenz (KI) dahingehend, dass sie wie menschliche Gehirne denken und lernen. Facebooks englischlernende KI zum Beispiel bewertete die englische Sprache als ineffizient und ersetzte sie durch eine eigene effizientere Kommunikation. Facebook schaltete seine KI daraufhin ab – doch undenkbar ist es nicht, dass uns eine KI demnächst neue Worte vorschlagen könnten.

Bisher sind Wortschöpfungen jedoch Menschen vorbehalten und oft sind diese gar nicht völlig neu, sondern werden aus bereits bestehenden Wörtern neu zusammengesetzt (z.B. Kopfkino) oder aus einer anderen Sprache entlehnt (z.B. facebooken).

Von der Erfindung zum Sprachgebrauch

Ein Wort erfinden kann jeder; um es jedoch zu etablieren, braucht man Nutzer, die das Wort anwenden. Und das klappt am besten, wenn diese im wörtlichen oder übertragenen Sinne nicht umhinkommen, das Wort zu verwenden.

Einer effizienten Methode bediente sich den Geschichten nach Richard Daly: Der Besitzer eines Dubliner Theaters wettete im 18. Jahrhundert, dass er es schaffe, ein willkürliches, erfundenes Wort innerhalb von 48 Stunden in der Stadt zu etablieren. Er erfand das Wort „Quiz“, schrieb es auf Karten und überreichte jedem seiner Schauspieler eine solche Karte mit dem Auftrag, es auf alle Mauern und Wände der Stadt zu malen.

Am nächsten Tag war das Quiz Stadtgespräch – ohne dass jedoch irgendjemand wusste, was dieser Begriff bedeutete. Der zunächst inhaltsleere Begriff wurde jedoch schnell gefüllt: Dokumente aus dieser Zeit zeigen, dass es für sehr verschiedene Zwecke genutzt wurde: eine seltsame, exzentrische Person konnte ein Quiz sein, ebenso ein Jojo-ähnliches Spielzeug oder eine Frage. Aus letzterem leitete sich vermutlich auch die heutige Bedeutung für ein Frage- oder Ratespiel ab.

Neue deutsche Worte

Bekannte deutsche Wortpräger sind Martin Luther oder Philipp von Zesen. Beide Herren publizierten äußerst erfolgreich und schafften es so, ihre Wortkreationen unter die Leute zu bringen. Während es Luther primär darum ging, lateinische Begriffe und Wendungen für Menschen aller gesellschaftlichen Stände auf Deutsch verständlich zu machen, wehrte sich von Zesen gegen den Einfluss des Französischen und des Lateinischen auf die deutsche Sprache. Er erfand gezielt neue Wörter, die die fremdsprachlichen Entlehnungen ablösen sollten. Dank ihm halten wir heute Abstand anstatt Distanz und es gäbe kein Weltall, keine Leidenschaft und keine Mundarten, sondern nur ein Universum, eine Passion und Dialekte.

Auch wenn beide einen weiten Bekanntheitsgrad hatten und viele Menschen mit ihren Worten erreichten –nicht alle ihrer Schöpfungen setzten sich durch: von Zesens Beistrich für Komma und Meuchelpuffer für Pistole werden den wenigsten bekannt sein. Und selbst Worte, die mit diktatorischer Macht in den Wortschatz einer Sprachgruppe gedrängt wurden, überlebten nicht immer: in der DDR versuchte man beispielsweise christliche Begriffe zu ersetzen und so wurde aus dem Christkind die „Jahresendflügelpuppe“.

Ein Patentrezept, wie man ein neues Wort etabliert und in den Duden kommt, gibt es also nicht. In Zeiten der Digitalisierung hat potentiell jeder Zugang zu einem großen Nutzerkreis – nach dem grundlegendsten ökonomischen Prinzip müssen Sie nun nur noch den Bedarf nach einem Wort oder Konzept kreieren und auf die daraus resultierende Nachfrage nach einem passenden Begriff mit einem entsprechenden Wortangebot reagieren. Koxogus, oder?

Koxogus – Adjektiv; Trennung: ko-xo-gus; Bedeutung: ohne Mühe lösbar, unkompliziert, nicht schwierig

Bitte verwenden Sie dieses Wort ab jetzt nur noch, damit wir es in die nächste Ausgabe des Dudens schaffen!

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By BenediktGeyer [Public domain], via pixabay

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