Wenn Sprache die Welt rettet – und Übersetzer zu Helden werden

Zum Film Arrival – aus der Perspektive einer Übersetzerin

Als Ende 2016 Denis Villeneuves Science-Fiction-Film „Arrival“ in die Kinos kam, war ich sehr gespannt. Denn eine Linguistin sollte im Zentrum des Geschehens stehen.

Alles beginnt mit einer Invasion von Aliens, die in 12 Raumschiffen auf der Erde gelandet sind. Um die Beweggründe und Ziele der Außerirdischen herauszufinden, soll die Linguistin Louise Banks Kontakt mit ihnen aufnehmen. Im wahren Leben würde eine Linguistin wohl nicht auch noch den Job einer Übersetzerin, Dolmetscherin und gleichzeitig Sprachlehrerin übernehmen, aber als Filmheldin gönnen wir ihr diese Superkompetenzen!

Weil sich die mündliche Sprache der Aliens als schwer zu dechiffrieren entpuppt, widmet Banks sich der Schriftsprache der Aliens. Ihre Schriftkultur ist eine kreisförmige Kalligraphie, die logografisch ist. Jedes Logogramm entspricht einem Begriff, wie beispielsweise auch im Japanischen oder in der Keilsprache.

Verändert Sprache das Denken?

Durch ihre Sprachanalysen und die immer neuen Versuche, mit den Aliens zu kommunizieren erkennt Banks, dass die Aliens Zeit nicht linear wahrnehmen – sondern zirkular, ohne jede Richtung. Für sie gibt es keine Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Dieser Gedanke allein ist nicht abwegig, es gibt auch in unserer Welt Unterschiede in der Zeitwahrnehmung. Doch Banks geht noch weiter: Sie fragt sich, ob die Aliens auch nicht-linear denken, weil ihre Sprache nicht-linear ist. Sie wirft damit die Sapir-Whorf-Hypothese auf, die postuliert, dass die Struktur einer Sprache einen direkten Einfluss auf das Denken hat.

Als Übersetzerin, die bereits in anderen Kulturen gelebt hat, kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass das Erlernen neuer Sprachen meine Sichtweisen verändert und erweitert hat. Doch hat sich meine Denkstruktur dadurch grundsätzlich geändert? Denke ich anders über das Obst Banane, weil ich in Westafrika vielen verschiedenen Bananensorten begegnet bin, die jeweils andere Bezeichnungen haben, aber keiner allgemeinen Kategorie zugeordnet werden? So nämlich untermauerten die Wissenschaftler Sapir und Whorf ihre Hypothese. Weil ein Volk der Inuit keinen Sammelbegriff für das, was wir als Schnee bezeichnen, hat, jedoch viele verschiedene Bezeichnungen für diverse Schneephänomene, behaupteten sie, die Inuit dächten grundsätzlich anders über Schnee als beispielsweise Amerikaner. Das Englische kennt nämlich – wie auch die deutsche Sprache – nur einen einzigen Schneebegriff, der durch Adjektive angereichert werden kann.

Der Film Arrival treibt diese Hypothese bis an die Spitze. Was passiert, wenn man vollständig in eine neue Sprache eintaucht? Kann man sein Gehirn neu verdrahten? Je mehr Louise Banks sich in die Sprache der Aliens vertieft, desto mehr spürt sie die Veränderungen. Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen, sie kann die Zukunft voraussehen – auch wenn sie sie nicht mehr als diese wahrnimmt. Weil sie um das, was sie erwartet, weiß, auch um die schmerzhaften und traurigen Momente, wird sie dennoch freier in ihren Entscheidungen.

Übersetzungen transportieren die unterbewussten Aspekte von Sprache

Die Vorstellung einer solchen Bewusstseinserweiterung durch Sprache ist genial – und würde gleichzeitig die Komplexität und Herausforderungen an eine Übersetzung steigern. Schon jetzt impliziert übersetzen so viel mehr als nur einzelne Wörter oder Sätze in eine andere Sprache zu übertragen. Übersetzer müssen die unterbewussten Aspekte von Sprache – Kontext, Kultur, andere Sichtweisen und Systeme – in ihren Übersetzungen transportieren und dem Leser einer anderen Sprachkultur verständlich machen. Die Nuancen und Ambiguitäten, die jeder Sprachkultur eigen sind, stellen die große Herausforderung beim Übersetzen dar. Auch diesen Aspekt zeigt der Film: Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage der Menschen, was die Intention des Erdenbesuchs der Aliens ist,  übersetzt Banks das Antwort-Logogramm als „Waffe“. Darauf gerät das amerikanische Militär in Panik, eine Gruppe greift die Aliens an. Die Übersetzerin argumentiert, dass „Waffe“ nur eine mögliche Bedeutung sei, es könne in dem Kontext auch „Werkzeug“ oder „Geschenk“ bedeuten – und fundamental die Beziehung zwischen Erdbewohnern und Außerirdischen ändern.

Egal wie viele Sprachen wir erlernen und wie tief wir uns in sie versenken – unsere Synapsen wird Sprache wohl nicht neu verdrahten. Unseren Blickwinkel erweitern, das vermag sie jedoch und als Übersetzer können wir dazu beitragen, dass sich Menschen unterschiedlicher Sprachkulturen ein bisschen besser verstehen.

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